Weihnachtsbotschaft Seiner Seligkeit Patriarch Johannes X.

Durch die Barmherzigkeit GottesJohannes X.Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient

An
meine Mitbrüder, die Hirten der heiligen antiochenischen Kirche,
und an meine Söhne und Töchter, wo immer sie sich befinden, in allen Bereichen dieses apostolischen Stuhles

„Freue dich und jauchze, o Himmel,
und jubelt, ihr Berge, über die Geburt Christi.“

Mit diesen Worten, aus dem Mund des Hymnendichters, klopft die Kirche an das Herz eines jeden von uns und ruft ihn zur Betrachtung der Geburt jenes Kindes, das eine Grotte erwählte, obwohl ihm die ganze Welt gehört. Mit diesen Worten wendet sich der Hymnendichter nicht nur an die Menschen, sondern auch an die unbelebte Schöpfung. Er fordert sie auf, ihre Starre zu durchbrechen, sich mit den Engeln zu freuen, mit den Hirten zu jubeln und sich vor der Krippe von Bethlehem niederzuwerfen. Es ist, als reiche die Freude der Welt nicht aus, um die Begegnung der Menschheit mit Christus zu beschreiben. Darum ruft der Hymnendichter auch die starre Schöpfung an und bittet sie, ihre Erstarrung abzulegen und sich mit der Freude der Geburt zu bekleiden – mit der Freude der Begegnung jenes Kindes, aus dessen Augen wir alle Hoffnung schöpfen und aus dessen Besonnenheit wir alle Besonnenheit empfangen.

Hier liegt eine Einladung an jeden von uns, die Lasten der Welt von sich zu werfen und sie vor die Krippe von Bethlehem zu legen. Hier liegt eine Einladung an jeden von uns, sich zu freuen trotz aller Bedrängnisse, die ihn umgeben. Eine Einladung, sich zu freuen, selbst im tiefsten Grund der Not. Eine Einladung, sich der Hoffnungslosigkeit nicht zu ergeben, trotz allem. Die Geburt Christi ist eine Einladung, den angesammelten Staub von der Glut unserer Hoffnung zu entfernen, damit seine Hoffnung in uns Hoffnung werde und sein Licht Licht.

Jedes Jahr erwacht die Menschheit aus der Benommenheit ihres Hochmuts, um dieses Kind ehrfürchtig zu betrachten, leuchtend in der Finsternis seiner Grotte. Er kam schweigend, doch sein Schweigen ist beredter als alle Redner. Er kam in Schwachheit, doch in ihm liegt eine Kraft, die die Schwäche der Schwachen entkleidet. Er kam, ruhend im Schoß der Jungfrau, er, der auf den Schultern der Cherubim thront. Er kam als Kind, ruhend auf dem Stroh der Krippe, er, der ewige Gott, ruhend in der Herrlichkeit seiner Höhe. Er kam in einer Grotte, um die Grotte des menschlichen Herzens aufzubrechen und in sie etwas von der Süße seines Evangeliums und vom Nektar seiner Demut zu legen – sie, die wund ist von der Bitterkeit ihres Hochmuts.

In seiner Geburt erinnern wir uns an die Geburt der Hoffnung in unseren Herzen. Wir gedenken jedes Armen und Bedürftigen nicht mit Worten, sondern mit der Sprache der Tat. Wir vergegenwärtigen uns die Geburt dieses Tages und stellen vor Augen, dass wir in der Kirche von Antiochien die Wiege seiner Verkündigung waren, so wie Bethlehem und Jerusalem der Ort seiner Geburt, seines Kreuzes und seines Grabes waren. Wir betrachten das Licht seines Antlitzes in der Grotte und beten, dass dieses Licht sich verkörpere in unserem Leben, im Leben seiner Kirche und in den Weiten seiner Welt.

In diesen Tagen gedenken wir auch unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind und uns vorausgingen zur Begegnung mit dem Licht des Antlitzes des Geborenen. Wir bitten ihn auf die Fürbitte der Jungfrau, sie an sein Herz zu nehmen und sie mit seinem Erbarmen zu umfangen.

Möge Gott sie euch allen wiederbringen – unseren Kindern in der Heimat und in der Diaspora und allen Menschen – als gesegnete Tage, erfüllt von Güte, Heil und Segen, von Seiten des Vaters der Lichter und der Quelle der Gaben, des Kindes der Grotte, des Weges, der Wahrheit und des Lebens, des Herrn der Erbarmungen und des Gottes allen Trostes. Amen.

Damaskus, 20. Dezember 2025